HB

HB ist eine 1955 in Hamburg eingeführte Filterzigarette von British American Tobacco, deren Kürzel auf die Dresdner Zigarettenfabrik Haus Bergmann zurückgeht. Von 1959 bis 1984 war sie die meistverkaufte Zigarettenmarke der Bundesrepublik, und ihr Werbe-Trickfilmmännchen „Bruno“ zählt zu den bekanntesten Figuren der deutschen Werbegeschichte. Heute wird HB in den Linien Classic Blend und Rounded Blend angeboten und gehört zu den mittelgroßen Marken des deutschen Marktes.

Eingeführt1955 in der Bundesrepublik Deutschland, durch die Hamburger BAT-Tochter
HerstellerBritish American Tobacco (BAT); in Deutschland British American Tobacco (Germany) GmbH, Hamburg
HerkunftDeutschland
NamensgeberZigarettenfabrik Haus Bergmann, Dresden (seit 1932 im Besitz von BAT)
Marktführer1959 bis 1984 meistverkaufte Zigarette der Bundesrepublik; 1975 meistverkaufte Europas
WerbefigurHB-Männchen „Bruno“ (1957/58 bis 1984), Slogan „Wer wird denn gleich in die Luft gehen?“
Produktionbis 2016 unter anderem in Bayreuth, seither in BAT-Werken in Polen, Ungarn, Rumänien und Kroatien
Sorten in DeutschlandClassic Blend (auch 100er, Big Pack, Feinschnitt) und Rounded Blend (früher Aromatic Burley)

Zur Einordnung: Dieses Markenlexikon dokumentiert Zigarettenmarken neutral als Teil der Konsum- und Wirtschaftsgeschichte. Es enthält keine Bezugsquellen und keine Empfehlung. Rauchen schädigt die Gesundheit – sachliche Informationen dazu stehen unter Gesundheit, Wege aus dem Konsum unter Rauchstopp.

Namensherkunft: Haus Bergmann aus Dresden

Die beiden Buchstaben stehen für „Haus Bergmann“, eine Dresdner Zigarettenfabrik der Brüder Carl und Siegfried Bergmann. Dresden war in den 1920er Jahren das Zentrum der deutschen Zigarettenindustrie, und Haus Bergmann gehörte mit Marken wie „Haus Bergmann Privat“, „Gildehof“ und „Orienta“ zu den mittleren Betrieben der Stadt; das Fabrikgebäude an der Bärensteiner Straße im Stadtteil Striesen steht noch heute. 1932 kaufte British American Tobacco (BAT) das Unternehmen, das damit zur 1926 gegründeten Hamburger Deutschland-Tochter des Konzerns kam. Das Kürzel HB tauchte bereits in den 1930er Jahren in der Werbung auf. Nach 1945 lag der Dresdner Standort in der sowjetischen Besatzungszone und ging BAT verloren; die Markenrechte blieben bei der Hamburger Gesellschaft. Als diese 1955 eine neue Filterzigarette auf den westdeutschen Markt brachte, griff man auf den eingeführten Namen zurück. Wie andere Marken zu ihrem Namen kamen, zeigt die Markenübersicht.

Geschichte: vom Filter-Neuling zum Marktführer

HB kam 1955 mit dem Slogan „Eine Filterzigarette, die schmeckt“ auf den Markt. Der Zusatz war Programm: Filterzigaretten hatten in der Bundesrepublik damals nur einen Marktanteil von gut sieben Prozent und galten vielen Rauchern als fade. HB bot eine Virginia-betonte Mischung mit Acetatfilter im damals neuen King-Size-Format von rund 80 bis 85 Millimetern und traf damit den Geschmack der Wirtschaftswunderjahre. Der Aufstieg verlief steil: Nach 0,4 Prozent Marktanteil im Einführungsjahr waren es 1956 schon 5,6 Prozent, 1958 12,9 Prozent, und 1959 stand HB mit rund 17 Prozent erstmals an der Spitze des westdeutschen Marktes. Diese Position hielt die Marke ein Vierteljahrhundert lang bis 1984; 1975 war HB nach Branchenangaben sogar die meistverkaufte Zigarette Europas.

Ab Mitte der 1980er Jahre wendete sich das Blatt. Marlboro übernahm 1985/86 die Führung in Deutschland, und HB verlor mit dem Ende der Werbefigur, dem Aufstieg der amerikanischen Lifestyle-Marken und später der Billigsegmente kontinuierlich Anteile. Nach der Jahrtausendwende konzentrierte BAT seine Mittel auf internationale Marken wie Lucky Strike und Pall Mall; HB wurde zur gepflegten, aber kaum noch beworbenen Traditionsmarke.

Werbung und Design: das HB-Männchen

Kaum eine deutsche Marke ist so eng mit einer Werbefigur verbunden wie HB mit „Bruno“, dem cholerischen Zeichentrickmännchen. Entwickelt wurde es von Theo Breidenbach von der Düsseldorfer Agentur Werbe-Gramm (später Grey) und dem Trickfilmer Roland Töpfer; produziert wurden die Spots bei Kruse-Film. Nach ersten Kinofilmen 1957 lief Bruno ab 1958 im Fernsehen, das erst kurz zuvor Werbeblöcke eingeführt hatte. Das Schema war immer gleich: Eine Alltagssituation gerät außer Kontrolle, das Männchen schimpft in unverständlichem Kauderwelsch, gerät in Rage und geht buchstäblich in die Luft, bis ein Sprecher eingreift: „Halt, mein Freund! Wer wird denn gleich in die Luft gehen? Greife lieber zur HB!“ Und dann: „Dann geht alles wie von selbst.“ In den 1960er Jahren kannten 96 Prozent der Fernsehzuschauer die Figur; die Redewendung vom In-die-Luft-Gehen ist bis heute Umgangssprache. Mehrere hundert Filme entstanden bis 1984, nach dem Ende der Fernsehwerbung für Zigaretten in den 1970er Jahren nur noch für das Kino.

Das Packungsdesign war 1955 ungewöhnlich modern: eine weiße Packung mit rotem, aufgeschnittenem Kegel, darüber eine rot-goldene Krone und die beiden Buchstaben; die Krone zitiert das alte Doppelkopf-Signet von Haus Bergmann. Nach dem Werbeverbot suchte BAT andere Wege, den Namen sichtbar zu halten: 1976 wurde der HB Verlag gegründet, der ab 1977 gemeinsam mit Bertelsmann die Reisereihe „HB Bildatlas“ herausgab, dazu das Naturmagazin „draußen“ (1979 bis 1987) und die „HB Kunstführer“ (1983 bis 1997). Im Motorsport warb HB in den 1980er und 1990er Jahren auf Motorrädern von Suzuki, Honda und Yamaha in der 500er- und 250er-Weltmeisterschaft sowie von 1984 bis 1987 beim Rallye-Team von Audi Sport.

Konzern und Produktion

HB gehört zu British American Tobacco, einem der größten Tabakkonzerne der Welt. In Deutschland führt die British American Tobacco (Germany) GmbH mit Sitz in Hamburg die Geschäfte; sie ist hier nach eigenen Angaben der drittgrößte Anbieter. Gefertigt wurde HB über die Jahrzehnte in den deutschen BAT-Werken Hamburg-Bahrenfeld, Ahrensburg, Berlin-Spandau und vor allem Bayreuth, das 2007 als größtes Werk des Konzerns galt. 2016 entschied BAT, in Deutschland keine Fertigzigaretten mehr herzustellen; rund 950 der zuvor etwa 1.300 Stellen in Bayreuth fielen bis 2017 weg. Die Zigarettenproduktion wanderte in Werke in Polen, Ungarn, Rumänien und Kroatien; in Bayreuth blieben Tabakaufbereitung, Feinschnitt und ein Logistikzentrum, 2019 wurde auch das dortige Produktentwicklungszentrum mit 185 Stellen geschlossen. Eine deutsche Traditionsmarke wird damit seit Jahren im Ausland hergestellt.

Sortiment im Überblick

Das Sortiment ist heute schmal. Es besteht aus zwei Linien, die sich vor allem in der Stärke unterscheiden:

Historisch gab es zahlreiche Sondereditionen, etwa die „Undercover“-Packungen Anfang der 1990er Jahre, die Serie „Growing Regions“ 2004 und die Kampagne „Wir sind Partyland“ zur Fußball-Europameisterschaft 2008. Die Packungsgrößen folgten der Gesetzgebung: Nachdem 2004 Packungen unter 17 Stück verboten wurden, verkaufte BAT HB im Handel lange mit 17 Stück, ab 2009 mit 19 Stück, im Automaten mit 20 Stück; dazu kamen das „Big Pack“ mit 24 Stück und Feinschnitt in Gebinden von 40 bis 170 Gramm.

Marktstellung in Deutschland

Von der einstigen Dominanz ist wenig geblieben, doch HB ist keine Randerscheinung. Der Anteil der HB-Familie am deutschen Zigarettenmarkt sank nach Branchenzahlen von 4,7 Prozent (2002) auf 3,5 Prozent (2007); die Marke gehörte damit noch zu den zehn meistverkauften des Landes. Belastbare jüngere Zahlen je Marke sind öffentlich nicht verfügbar. Eine Kantar-Hochrechnung nach Zahl der Konsumenten sah 2023 Marlboro, L&M und Pall Mall an der Spitze; HB spielt heute in der Gruppe der mittelgroßen, klassischen Marken mit überwiegend älterer Stammkundschaft.

JahrMarktanteil HB in Deutschland
19550,4 %
19565,6 %
195812,9 %
1959rund 17 % (Platz 1)
20024,7 %
20073,5 %

Werte nach Wikipedia (HB, Zigarettenmarke), dort nach Branchenstatistiken.

Kontroversen und Regulierung

Die Werbegeschichte von HB ist zugleich ein Lehrstück über Tabakwerbung. Die Bruno-Spots verkauften die Zigarette als Beruhigungsmittel gegen den Ärger des Alltags, eine Botschaft, die schon zeitgenössische Werbekritiker als Manipulation bezeichneten. Nach Darstellung des Historikers Gerhard Paul endete die Kinowerbung 1984, weil die Spots gegen die Werberichtlinien der Branche verstießen, die das Versprechen einer beruhigenden Wirkung nicht mehr zuließen. Die Fernsehwerbung war bereits Anfang der 1970er Jahre ausgelaufen; gesetzlich verboten ist sie seit 1975. Der HB Bildatlas und das Motorsport-Sponsoring gelten als klassische Beispiele für „Brand Stretching“, mit dem Tabakkonzerne Werbeverbote umgingen; seit 2007 ist Tabaksponsoring grenzüberschreitender Veranstaltungen auch in Deutschland untersagt, seit 2022 die Außenwerbung für Zigaretten. Die frühere Bezeichnung „Aromatic Burley“ ist inzwischen durch „Rounded Blend“ ersetzt; einen Zeitpunkt und Grund nennt der Hersteller nicht, seit 2016 sind aber Hinweise auf Aroma oder Geschmack auf Zigarettenpackungen EU-weit unzulässig. Unabhängig vom Namen gilt: HB ist eine Zigarette wie jede andere, mit denselben Risiken für Lunge, Herz und Gefäße, die unter Gesundheit beschrieben sind; wer aufhören will, findet unter Rauchstopp Hinweise. Zu Vorschriften und Warnhinweisen informiert die Seite Recht, zur Entwicklung der Zigarette insgesamt der Abschnitt Geschichte.

Sorten im Lexikon

Quellen

  1. HB (Zigarettenmarke) – Wikipedia (deutsch) – https://de.wikipedia.org/wiki/HB_(Zigarettenmarke)
  2. HB (cigarette) – Wikipedia (englisch) – https://en.wikipedia.org/wiki/HB_(cigarette)
  3. HB-Männchen – Wikipedia (deutsch) – https://de.wikipedia.org/wiki/HB-M%C3%A4nnchen
  4. Gerhard Paul: Das HB-Männchen – Werbefigur des Wirtschaftswunders. Zeithistorische Forschungen 4 (2007), H. 1/2 – https://zeithistorische-forschungen.de/1-2-2007/4633
  5. brandslex.de: Markenlexikon HB – https://www.brandslex.de/markenlexikon/cover/h/markenlexikon-hb
  6. British American Tobacco Germany: Unsere Geschichte – https://www.bat.de/wer-wir-sind/bat-in-deutschland/unsere-geschichte
  7. British American Tobacco Germany: BAT in Deutschland – https://www.bat.de/wer-wir-sind/bat-in-deutschland
  8. Lebensmittel Zeitung: Schließung – BAT will Werk in Bayreuth dicht machen (12. Juli 2016) – https://www.lebensmittelzeitung.net/industrie/nachrichten/Schliessung-BAT-will-Werk-in-Bayreuth-dicht-machen-124290
  9. Nordbayerischer Kurier: 185 Stellen betroffen – BAT schließt Bayreuther Produkt-Zentrum (13. September 2019) – https://www.kurier.de/inhalt.185-stellen-betroffen-british-american-tabacco-schliesst-produkt-zentrum.60c87732-1024-477d-9122-b7e0d6adaf45.html
  10. altesdresden.de: Bärensteiner Straße 16/18 – Haus Bergmann, Zigarettenfabrik – https://www.altesdresden.de/hist_idx.cgi?action=house&id=baer016
  11. museum-digital (Staatliche Museen zu Berlin): Haus Bergmann (HB) Zigarettenfabrik, Dresden – https://smb.museum-digital.de/people/54858
  12. Deutsche Digitale Bibliothek / Bundesarchiv B 218/490: Haus Bergmann Zigarettenfabrik GmbH, Dresden – https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/7HCR57UKXXJ4AGJGD2KYJSRBABLT5EPX
  13. Tabakwerbung – Wikipedia (deutsch), Abschnitt Deutschland – https://de.wikipedia.org/wiki/Tabakwerbung
  14. Wikivoyage: Allgemeine Reiseführerserien in Buchform (HB Bildatlas 1977–2010) – https://de.wikivoyage.org/wiki/Allgemeine_Reisef%C3%BChrerserien_in_Buchform
  15. Laura Hordoan: Die Biographie einer Marke. Aufstieg und Fall der HB (Universität Konstanz, 2006) – https://www.grin.com/document/231707
  16. Revierpassagen: TV-Nostalgie – Als das HB-Männchen vor Wut in die Luft ging (7. November 2014) – https://www.revierpassagen.de/27889/tv-nostalgie-30-als-das-hb-maennchen-vor-wut-in-die-luft-ging/20141107_1757
  17. Statista/Kantar: Zigaretten – konsumierte Marken in Deutschland 2023 – https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1351206/umfrage/marken-von-zigaretten-nach-anzahl-der-konsumenten-in-deutschland/
  18. Wikipedia (deutsch): Datei:HB-Zigaretten Logo.svg (lokale Datei, Bild-LogoSH, nicht auf Commons) – https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:HB-Zigaretten_Logo.svg

Hinweis zur Quellenlage: 1) Gründung von Haus Bergmann: brandslex.de nennt 1923 und Carl Bergmann als Gründer, altesdresden.de das Fabrikgebäude „um 1910“ und die Brüder Carl und Siegfried; ein Mitgliederverzeichnis von 1928 belegt den Betrieb. Im Text daher „1920er Jahre“. 2) Ende der HB-Fernsehwerbung: Wikipedia und Presse nennen 1974, der Historiker Gerhard Paul 1972; gesetzlich verboten ist Tabakwerbung in Fernsehen und Hörfunk seit 1975. Im Text „Anfang der 1970er Jahre“. 3) Erster Bruno-Auftritt: Produktionsbeginn 1957 (Wikipedia), Fernsehstart 1958 (Paul). 4) Zahl der Bruno-Filme: „über 400“ (Wikipedia) gegenüber „über 500“ (Paul); im Text „mehrere hundert“. 5) Zeitpunkt der Einführung von „Classic Blend“ und „Aromatic Burley“ sowie der Umbenennung in „Rounded Blend“ nicht datierbar; der Zusammenhang der Umbenennung mit der Tabakproduktrichtlinie 2016 ist plausibel, vom Hersteller aber nicht bestätigt. 6) Marktanteil nach 2007: en.wikipedia behauptet „unter 1 Prozent“ ab 2016 ohne belastbare Quelle, andere Sekundärquellen wiederholen die 3,5 Prozent von 2007; deshalb nur qualitative Einordnung. 7) Verlagerung der Fertigung: Pressemeldungen nennen Polen, Ungarn, Rumänien und Kroatien als Zielländer; in welchem Werk HB konkret produziert wird, ist nicht belegt. 8) Stellenzahlen Bayreuth: 950 von rund 1.320 Stellen (Presse 2014/2017) gegenüber „etwa 1.400 Betroffene“ (Lebensmittel Zeitung 2016). 9) Kondensat-/Nikotin-/CO-Werte stammen aus Wikipedia (Packungsaufdrucke vor 2016), nicht aus einer Primärquelle. 10) Farbgebung der Rounded-Blend-Packung nicht belegt; im Text nur „setzt sich farblich ab“. 11) Logo: Auf Commons existiert keine Datei der HB-Wortmarke; die de.wikipedia-Datei ist lokal mit Bild-LogoSH, die en.wikipedia-Datei „non-free“, außerdem enthält das Logo mit Krone und Kegel Bildbestandteile – daher logo = null.