Inhaltsstoffe
Bei den Inhaltsstoffen muss man drei Ebenen unterscheiden: was im Tabak selbst steckt, was bei der Herstellung zugesetzt wird — und was erst bei der Verbrennung entsteht. Die gefährlichste Ebene ist die dritte.
Im Tabak: Nikotin
Der prägende natürliche Inhaltsstoff ist das Alkaloid Nikotin. Es erreicht beim Inhalieren binnen Sekunden das Gehirn, setzt Dopamin frei und erzeugt so den schnellen, verlässlichen Effekt, der die Abhängigkeit antreibt. Nikotin ist in den konsumierten Mengen nicht der Stoff, der Krebs erzeugt — aber der Stoff, der dafür sorgt, dass Menschen den krebserzeugenden Rauch immer wieder inhalieren. Daneben enthält das Blatt tausende weitere Pflanzenstoffe, von Zuckern bis zu Proteinen.
Zugesetzt: die Additive
Zigarettentabak wird bei der Herstellung behandelt. Typische Zusatzstoffe:
- Zucker und Kakao: gleichen die Mischung aus und mildern den Rauch — karamellisierende Zucker prägen das Aroma mit.
- Feuchthaltemittel wie Glycerin und Propylenglykol: halten den Tabak geschmeidig.
- Aromen: in engen Grenzen — Zigaretten mit charakteristischem Aroma (Vanille, Frucht, seit 2020 auch Menthol) sind in der EU verboten.
- Verbrennungsregulatoren im Papier (Citrate) für gleichmäßiges Glimmen.
Hersteller müssen Zusatzstoffe den Behörden melden; die Listen sind öffentlich einsehbar. Kritisch bewertet werden Additive vor allem, wenn sie das Inhalieren erleichtern oder den Einstieg attraktiver machen.
Erst im Rauch: die Schadstoffe
Bei Temperaturen von mehreren hundert Grad in der Glutzone entstehen aus Tabak, Zucker und Zusatzstoffen völlig neue Verbindungen — der Rauch enthält mehrere tausend Substanzen. Die wichtigsten Gruppen:
- Teer (Kondensat): der klebrige Partikelanteil des Rauchs, Träger vieler krebserzeugender Stoffe wie polyzyklischer aromatischer Kohlenwasserstoffe (z. B. Benzo[a]pyren).
- Tabakspezifische Nitrosamine: entstehen aus Tabakalkaloiden und zählen zu den potentesten Kanzerogenen des Rauchs.
- Kohlenmonoxid (CO): bindet an das Hämoglobin des Bluts und verdrängt Sauerstoff — eine wesentliche Ursache der Herz-Kreislauf-Schäden.
- Reizgase und Aldehyde (Formaldehyd, Acrolein): schädigen Schleimhäute und Flimmerhärchen der Atemwege.
- Metalle wie Cadmium und Blei, aus Boden und Düngung ins Blatt gelangt.
Die 10-1-10-Grenzwerte
Für in der EU verkaufte Zigaretten gelten Emissionshöchstwerte je Zigarette: 10 mg Teer, 1 mg Nikotin, 10 mg Kohlenmonoxid, gemessen im standardisierten Maschinenverfahren. Wichtig: Diese Maschinenwerte bilden die tatsächliche Aufnahme beim Menschen nur grob ab — Zugverhalten, Zugtiefe und Ventilation verändern sie erheblich. Ein „Grenzwert eingehalten“ bedeutet nicht „unbedenklich“.
Und im Filter?
Der Celluloseacetat-Filter selbst ist im Gebrauch unproblematisch — sein Problem beginnt nach dem Rauchen: Als Kunststoffprodukt verrottet er nur sehr langsam und macht weggeworfene Kippen zu einem der häufigsten Abfallfunde in Städten und Gewässern; die Reste geben Nikotin und Schadstoffe an die Umwelt ab. Deshalb tragen Packungen seit 2021 den EU-Hinweis „Produkt enthält Kunststoff“, und Hersteller werden an städtischen Reinigungskosten beteiligt.
Häufige Fragen
- Ist Nikotin krebserregend?
Nikotin macht abhängig und belastet das Herz-Kreislauf-System, gilt aber in den beim Rauchen aufgenommenen Mengen nicht als relevanter Krebsauslöser. Die Krebsrisiken des Rauchens gehen überwiegend auf Verbrennungsprodukte wie Teerbestandteile und Nitrosamine zurück. Für die Gesundheitsbilanz ist das dennoch kein Freispruch: Ohne die Nikotinabhängigkeit gäbe es den chronischen Rauchkonsum nicht.
- Warum wurde Menthol verboten?
Menthol kühlt und betäubt die Atemwege leicht — das macht den Rauch weicher und erleichtert gerade Einsteigern das Inhalieren. Die EU-Tabakproduktrichtlinie verbietet deshalb Zigaretten mit charakteristischem Aroma; für Menthol lief die Übergangsfrist im Mai 2020 ab.