MarkenL&M

L&M Simply Red

L&M Simply Red überträgt das Konzept der Zigarette ohne Zusatzstoffe in das Preissegment der Marke. Der Tabak wird nach Herstellerangaben nur mit Wasser behandelt; Zucker, Aromen und Feuchthaltemittel entfallen. Am Risiko des Rauchens ändert das nichts, und seit 2016 darf die Packung das Konzept nicht einmal mehr beim Namen nennen.

LinieSimply (ohne Zusatzstoffe, Herstellerangabe)
EingeführtJahr nicht dokumentiert; seit mehreren Jahren im deutschen Handel
Stärkekräftig; die stärkere der beiden Simply-Varianten
MischungAmerican Blend (Virginia, Burley, Orient), nur mit Wasser behandelt
FormatKing Size mit Filter, nur 20er-Klappschachtel
BesonderheitHinweis auf Zusatzstofffreiheit auf der Packung seit 2016 verboten (Art. 13 Richtlinie 2014/40/EU)
Statusaktiv

Zur Einordnung: Dieses Markenlexikon dokumentiert Zigarettenmarken neutral als Teil der Konsum- und Wirtschaftsgeschichte. Es enthält keine Bezugsquellen und keine Empfehlung. Rauchen schädigt die Gesundheit – sachliche Informationen dazu stehen unter Gesundheit, Wege aus dem Konsum unter Rauchstopp.

Eine Zigarette „ohne Zusätze“

Zigaretten ohne Zusatzstoffe waren lange ein Nischenthema, besetzt von Marken wie American Spirit oder Manitou, die mit naturbelassenem Tabak warben. In den 2010er Jahren griffen die großen Konzerne das Konzept auf: British American Tobacco brachte 2012 Pall Mall Authentic, Philip Morris 2013 Marlboro Simply. Mit L&M Simply Red und Simply Blue folgte die Preismarke des Konzerns; das genaue Einführungsjahr ist nicht dokumentiert, der Handel führt die Sorten seit mehreren Jahren. „Ohne Zusätze“ bedeutet nach Herstellerangaben: Der Tabak wird ausschließlich mit Wasser behandelt, auf Zucker, Kakao, Lakritz, Glycerin und andere Feuchthaltemittel sowie auf Aromen wird verzichtet. Reguläre L&M-Sorten enthalten diese Stoffe, wie die Zutatenlisten zeigen (mehr unter /inhaltsstoffe/).

Zusatzstoffe erfüllen in der konventionellen Zigarette mehrere Aufgaben: Zucker und Kakao runden den Geschmack ab und mildern den herben Burley, Glycerin und Propylenglykol halten den Tabak feucht, Aromen sorgen für Wiedererkennbarkeit. Die Kritik daran ist alt: Einige Zusätze erleichtern nach Ansicht von Forschern das Inhalieren oder verstärken die Nikotinwirkung, und die EU hat bestimmte Stoffe – etwa Vitamine, Koffein und Farbstoffe – 2016 verboten. Der Trend zum „Puren“ kam aus der Lebensmittelwelt: Was bei Joghurt und Brot als Qualitätsmerkmal gilt, sollte auch bei der Zigarette Vertrauen schaffen – ein Versprechen, das bei einem Produkt, das beim bestimmungsgemäßen Gebrauch krank macht, seltsam anmutet.

Charakter und Mischung

Simply Red ist ein American Blend aus Virginia-, Burley- und Orienttabak und die kräftige der beiden Simply-Varianten. Ohne Zucker und Aromen schmeckt der Tabak trockener, herber und direkter als in der aromatisierten Red Label; wer von der regulären Sorte kommt, nimmt den Unterschied meist deutlich wahr. Handelsbeschreibungen sprechen von einem vollen, würzigen Aroma. Für Tabakkenner ist das durchaus ein Argument: Ohne Zucker und Aromen tritt der Charakter der Tabake selbst hervor, Schwächen der Mischung lassen sich nicht überdecken. Auch die Farbe Rot folgt der Markenlogik: Rot steht bei L&M für die kräftige Variante, unabhängig davon, ob Zusatzstoffe enthalten sind. Weil Feuchthaltemittel fehlen, trocknet der Tabak schneller aus, was sich in kräftigerem, heißerem Rauch bemerkbar machen kann – ein bekannter Effekt zusatzstofffreier Zigaretten. Offizielle Maschinenwerte gibt es nicht; Handelsangaben (Stand 2026) nennen 0,9 mg Nikotin, doch diese Zahl stammt nicht vom Hersteller und wird hier nur mit diesem Vorbehalt genannt. Wie die Bestandteile einer Zigarette zusammenwirken, erklärt /aufbau/.

Format und Packung

Simply Red gibt es nur als King-Size-Filterzigarette in der Klappschachtel mit 20 Stück; Großpackungen wie bei Red und Blue Label existieren nicht. Die Packung folgt dem Schema der Marke – weißer Grund, rotes Etikett, Schriftzug – und ist durch den Zusatz „Simply“ gekennzeichnet; seit dem Redesign vom Oktober 2024 trägt auch sie den Hinweis „Premium Quality Tobaccos“. Die King-Size-Länge und der Filter entsprechen der Red Label; auch die Simply-Zigarette ist kein naturbelassenes Produkt im engeren Sinn, denn Papier, Filter und die Verarbeitung des Tabaks sind industriell. Dass es keine Großpackungen gibt, passt zur Rolle der Linie als Ergänzung; wer im Preissegment vor allem auf die Stückzahl schaut, bleibt bei Red und Blue Label. Ein Wort wie „natürlich“ oder „ohne Zusätze“ sucht man auf der Packung vergeblich, und das hat rechtliche Gründe.

Warum die Packung nicht sagen darf, was fehlt

Auf der Packung steht „Simply“, nicht „ohne Zusätze“ – und das ist kein Zufall. Artikel 13 der Richtlinie 2014/40/EU verbietet seit Mai 2016 jede Aufmachung, die auf Aromen oder Zusatzstoffe oder deren Fehlen hinweist, ebenso Begriffe wie „natürlich“ oder „bio“; in Deutschland setzt das Tabakerzeugnisgesetz von 2016 die Vorgabe um. Vor 2016 war der Aufdruck „ohne Zusätze“ auf deutschen Packungen verbreitet, unter anderem bei Pall Mall Authentic, und musste anschließend verschwinden. Der Gesetzgeber wollte verhindern, dass Zusatzstofffreiheit als Gesundheitsversprechen wirkt; genau das hatten Studien zur Wahrnehmung solcher Produkte gezeigt. In den USA verpflichtete sich der Hersteller von Natural American Spirit 2017 gegenüber der Arzneimittelbehörde FDA, die Begriffe „additive-free“ und „natural“ aus der Werbung zu nehmen. Der Handel darf die Eigenschaft in der Produktbeschreibung nennen, der Hersteller auf der Packung nicht; der Markenname „Simply“ transportiert die Botschaft trotzdem. Zum Rechtsrahmen: /recht/.

Stellung im Sortiment

Die Simply-Linie ist eine Ergänzung, keine Hauptsorte: zwei Varianten, ein Format, keine Großpackungen. Sie richtet sich an Rauchende, die den Zusatzstoffen misstrauen, aber nicht auf Nischenmarken oder auf die Preisstufe von Marlboro wechseln wollen. Innerhalb des Konzerns ist Simply Red das günstigere Gegenstück zu Marlboro Simply Red; im deutschen Markt konkurriert sie mit Pall Mall Authentic Red und den Authentic- oder Natural-Varianten anderer Marken. Verkaufszahlen nennt Philip Morris nicht; dass die Linie seit Jahren im Sortiment bleibt und 2024 in das Redesign einbezogen wurde, spricht für eine stabile Nische.

Ohne Zusätze heißt nicht weniger schädlich

Der wichtigste Satz zu dieser Sorte: Zusatzstofffreiheit senkt das Gesundheitsrisiko nicht. Die krebserregenden Stoffe im Rauch – polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, Nitrosamine, Benzol, Formaldehyd, dazu Kohlenmonoxid und Schwermetalle – entstehen bei der Verbrennung des Tabaks selbst, nicht aus den Zusätzen. Dazu kommt ein Wahrnehmungseffekt: In einer Untersuchung der US-Organisation Truth Initiative (2017) hielten 64 Prozent der Rauchenden von Natural American Spirit ihre Marke für weniger schädlich als andere, obwohl es dafür keinen Beleg gibt. Wer Simply Red als „gesündere“ Wahl versteht, unterliegt genau dem Irrtum, den der Gesetzgeber mit dem Kennzeichnungsverbot verhindern wollte. Auch die verbreitete Vermutung, zusatzstofffreie Zigaretten machten weniger abhängig, hält der Prüfung nicht stand: Das Nikotin stammt aus dem Tabak, nicht aus den Zusätzen, und sein Gehalt liegt in Simply Red nach Handelsangaben nicht niedriger als in der regulären Red Label. Hintergründe unter /gesundheit/, Wege aus dem Rauchen unter /rauchstopp/.

Abgrenzung zu den Schwester-Sorten

Simply Blue: die mildere Ausführung derselben Linie, ebenfalls ohne Zusatzstoffe und nur in der 20er-Packung. Red Label: die reguläre Stammsorte mit Zusatzstoffen und allen Großformaten. Blue Label: die milde Hauptsorte mit Zusatzstoffen. Marlboro Simply Red: dasselbe Konzept eine Preisstufe höher. Pall Mall Authentic Red: der direkte Wettbewerber im selben Segment, seit 2012 auf dem Markt. Wer den Unterschied im Geschmack sucht, findet ihn; wer einen Unterschied für die Gesundheit sucht, sucht vergebens.

Quellen: siehe Markenseite L&M.