Juno

Juno war eine 1896 in Berlin von der Cigarettenfabrik Josetti geschaffene Zigarettenmarke, die sich mit ihrem dicken, runden Format bewusst von den damals üblichen flachen Orientzigaretten absetzte. Über den Hamburger Konzern Reemtsma wurde sie zu einer der bekanntesten deutschen Zigaretten des 20. Jahrhunderts, mit einem Reklamereim, der in die Alltagssprache einging. Nach der Teilung Deutschlands gab es sie als Ost-Juno und West-Juno, bis Reemtsma die Marke im Mai 2016 zusammen mit anderen Nischenmarken aufgab.

Eingeführt1896 durch die Cigarettenfabrik Josetti, Berlin; Wort-Bild-Marke „Josetti-Juno“ angemeldet am 9. Februar 1898
Herstellerzuletzt Reemtsma Cigarettenfabriken GmbH, Hamburg (seit 2002 zu Imperial Tobacco, heute Imperial Brands); zuvor Josetti, Jasmatzi AG, in der DDR VEB Tabak Nordhausen
HerkunftDeutschland (Berlin)
Namensgeberdie römische Göttin Juno
Werbespruch„Aus gutem Grund ist Juno rund“, als Wortmarke angemeldet am 26. April 1934; davor „Dick und Rund“ und „Juno lobt jeder!“
ProduktionsstandorteBerlin (Josetti, ab 1924 Rungestraße; West-Berlin ab 1951), Nordhausen (DDR, ab 1990 Reemtsma)
EingestelltMai 2016 (Mitteilung von Reemtsma im Zuge der EU-Tabakproduktrichtlinie); zuletzt Juno ohne Filter und Juno 100 mit Filter

Zur Einordnung: Dieses Markenlexikon dokumentiert Zigarettenmarken neutral als Teil der Konsum- und Wirtschaftsgeschichte. Es enthält keine Bezugsquellen und keine Empfehlung. Rauchen schädigt die Gesundheit – sachliche Informationen dazu stehen unter Gesundheit, Wege aus dem Konsum unter Rauchstopp.

Geschichte: von der runden Berliner Zigarette zur Traditionsmarke

Die Marke entstand 1896 in der Berliner Cigarettenfabrik Josetti, die 1888 von Oskar Josetti gegründet und 1892 an Ferdinand Meier verkauft worden war. Grundlage waren Virginiatabake, die in Deutschland damals noch als Neuheit galten, denn der Markt wurde von Orientzigaretten mit flachem, ovalem Querschnitt beherrscht. Josetti setzte auf das Gegenteil: eine dicke, runde Zigarette. Die Wort-Bild-Marke „Josetti-Juno“ wurde am 9. Februar 1898 angemeldet und blieb bis zur Einstellung der Marke 2016 in Kraft.

1905 übernahm die Dresdner Jasmatzi AG, seit 1902 von der American Tobacco Company kontrolliert, die Josetti GmbH. Nach der Hochinflation geriet Josetti in den Sog des Hamburger Konzerns Reemtsma, der 1924 die Aktienmehrheit an der Manoli AG erwarb und die Juno-Produktion in deren Gebäude an der Rungestraße verlagerte, das heute als Josetti-Höfe unter Denkmalschutz steht. Am 18. Februar 1928 meldete Reemtsma eigene Markenrechte an Juno an, 1935 gelangte der Konzern an sämtliche Aktien der Jasmatzi AG.

Ende 1943 verschwand Juno abrupt vom Markt, offenbar weil die Berliner Produktionsstätten durch Luftangriffe zerstört worden waren. Nach der Teilung der Stadt gab es zwei Junos: In Ost-Berlin wurde in den Josetti-Höfen bis 1960 eine flache, ovale Ost-Juno gefertigt, später übernahm der VEB Tabak Nordhausen die Marke. Reemtsma brachte ab dem 5. März 1951 in West-Berlin wieder eine dicke, runde West-Juno heraus. In den 1970er Jahren beschränkte man sie zunächst auf die Filterversion und nahm sie dann wegen schwacher Umsätze vom Markt; erst 1983 kehrte sie zurück. Im September 1990 übernahm Reemtsma auch die Nordhäuser Fabrik und damit die östliche Juno. Im Mai 2016 gab der Konzern das Ende der Produktion bekannt.

Konzern und Produktion

Markeninhaberin war zuletzt die Reemtsma Cigarettenfabriken GmbH in Hamburg, seit 2002 eine Tochter des britischen Konzerns Imperial Tobacco, der heute als Imperial Brands firmiert. Reemtsma hatte in den 1920er und 1930er Jahren durch eine aggressive Übernahmepolitik rund zwei Drittel der deutschen Zigarettenproduktion unter seine Kontrolle gebracht; Juno war eine der Berliner Marken, die auf diesem Weg in den Konzern gelangten.

Produziert wurde Juno an wechselnden Orten: bei Josetti in Berlin-Mitte, ab 1924 in den Manoli-Gebäuden an der Rungestraße, nach 1951 im West-Berliner Reemtsma-Werk sowie in der DDR beim VEB Tabak Nordhausen. Nach der Sammlerdokumentation zigsam.at stammten einzelne westdeutsche Packungen der 1980er Jahre auch aus der Badischen Tabakmanufaktur Roth-Händle in Lahr, die damals zum Reemtsma-Verbund gehörte.

Sortiment und Sorten im Überblick

Ausgangspunkt war eine einzige Sorte: die dicke, runde Juno ohne Mundstück, auf Packungen der 1930er Jahre als „Juno o/M. rund“ bezeichnet. Auf der Rückseite erklärte Josetti, nur das runde Format gewährleiste eine gleichmäßige Durchlüftung und damit eine reine Geschmacksbildung der Mischung. Nach dem Krieg blieb die filterlose Juno der Kern der Marke, Ende der 1960er Jahre kam eine Juno Filter hinzu. Nach der Rückkehr 1983 vertrieb Reemtsma die Juno 100 mit Filter („Traditional Blend Tabak“) und die filterlose Juno („German Blend Tabak“, „lang und rund“) im Softpack. In der DDR entstand parallel die Juno Filter Format 100 des VEB Tabak Nordhausen, eine Überlängenzigarette, die nach Einschätzung des Politikwissenschaftlers Thomas Noetzel sozialistisches Weltniveau demonstrieren sollte.

SorteZeitraumMerkmale
Josetti-Juno („o/M. rund“)1896 bis 1943ohne Filter, dick und rund, Virginiamischung
Ost-Junonach 1945; Berlin bis 1960, danach Nordhausenflach und oval, ohne Filter
West-Junoab 5. März 1951ohne Filter, dick und rund
Juno Filterab Ende der 1960er Jahre, erneut ab 1982/83Filterzigarette im Softpack und in der Klappschachtel
Juno Filter Format 100 (DDR)1980er Jahre bis 1990Überlänge mit Filter, VEB Tabak Nordhausen
Juno 1001983 bis 2016Überlänge mit Filter, „Traditional Blend“
Juno (German Blend)1983 bis 2016ohne Filter, „lang und rund“, Softpack

Die Packungsaufdrucke sanken über die Jahre deutlich: zigsam.at dokumentiert für die filterlose Juno 1984 20 mg Teer und 1,2 mg Nikotin, 2002 noch 12 mg und 1,0 mg. Was solche Angaben aussagen, erläutert die Seite Inhaltsstoffe.

Werbung und Design

Juno gehört zu den wenigen deutschen Zigarettenmarken, deren Werbespruch in die Alltagssprache eingegangen ist. Vor dem Ersten Weltkrieg warb Josetti mit dem Slogan „Dick und Rund“, der auch auf den Schachteln stand, sowie mit kleinen Klebemarken. Emailschilder aus dem Bestand der Domäne Dahlem zeigen die Zeile „Juno lobt jeder!“ in weißer Schrift auf rotem Grund; Rot blieb die Kennfarbe der Marke. Nach der Übernahme durch Reemtsma wurde die Werbung über Berlin hinaus auf das Reich und besonders auf Hamburg ausgedehnt. Am 26. April 1934 ließ die Berliner Zigarettenfabrik GmbH den Spruch „Aus gutem Grund ist Juno rund“ als Wortmarke eintragen. Historische Juno-Reklame ist bis heute im U-Bahnhof Wittenbergplatz zu sehen, ein Foto des Bundesarchivs vom BVG-Streik 1932 zeigt sie auf einem Berliner Bus.

Nach dem Krieg machte Reemtsma den Reim zum Schlager: Just Scheu textete und komponierte den Swingfox „Aus gutem Grund (ist Juno rund!)“, den Bully Buhlan mit dem Orchester Erich Börschel um 1950/51 für eine Werbeschallplatte aufnahm. Auch in der Literatur hinterließ die Marke Spuren: Gottfried Benn nahm in sein spätes Gedicht „Hör zu“ die Zeile „du rauchst die Juno“ auf.

Marktstellung in Deutschland

Verlässliche Marktanteile liegen nicht vor, doch das Bild ist klar: In den 1920er und frühen 1930er Jahren war Juno eine der populärsten Zigaretten Berlins und blieb bis in die späten 1950er Jahre in der Bundesrepublik weit verbreitet. Mit dem Siegeszug der Filterzigarette und der amerikanischen Mischungen verlor die dicke, filterlose Juno an Anziehungskraft. In der DDR war Juno neben Cabinet und f6 eine der vertrauten Marken; der Spiegel berichtete im November 1990, dass die Geschäfte mit Cabinet, Juno und Duett nach der Übernahme der Nordhäuser Nortak durch Reemtsma hinter den Erwartungen zurückblieben. Danach lief Juno als Nischenmarke im Reemtsma-Portfolio neben Reval, Ernte 23 und Eckstein, bis sie 2016 aufgegeben wurde.

Kontroversen und Regulierung

Die Geschichte der Marke ist eng mit der umstrittenen Expansion Reemtsmas verknüpft. Der Konzern baute seine Stellung in der Weimarer Republik und in der NS-Zeit durch aggressive Übernahmen und enge Kontakte zur Politik aus; 1930 löste das Vorgehen seiner Berliner Vertreter den sogenannten Reemtsma-Skandal aus. Der Standort, an dem 1934 der Juno-Slogan als Marke angemeldet wurde, war zuvor Sitz der jüdischen Zigarettenfabrik Garbáty, die aus politischen Gründen zur Hälfte an Reemtsma übertragen und 1938 zwangsverkauft wurde. Im Zweiten Weltkrieg arbeiteten Zwangsarbeiter für die deutsche Tabakindustrie, vorwiegend für Reemtsma. Wer Juno als Traditionsmarke betrachtet, sollte diesen Hintergrund mitdenken; mehr dazu unter Geschichte.

Das Ende der Marke war regulatorisch mitbestimmt. Ab dem 20. Mai 2016 durften in Deutschland nach der Tabakproduktrichtlinie 2014/40/EU nur noch Packungen mit bildlichen Warnhinweisen und mindestens 20 Zigaretten hergestellt werden. Reemtsma stellte im Mai 2016 neben Juno auch Atika, Eckstein No. 5, Salem No. 6, Reval Filter Golden Blend und Player's Virginia No. 6 ein; die Umstellungskosten seien bei Nischenmarken nicht wieder hereinzuholen. Der Deutsche Zigarettenverband kritisierte, andere EU-Länder hätten längere Übergangsfristen gewährt. Juno war überwiegend eine filterlose, kräftige Zigarette; zu den Gesundheitsrisiken siehe Gesundheit, zur Regulierung Recht.

Namensherkunft

Juno ist der Name der römischen Göttin, Gattin des Jupiter und Schutzherrin von Ehe und Geburt. Warum Josetti 1896 gerade diesen Namen wählte, ist nicht überliefert; klassische und exotische Namen waren in der Zigarettenbranche jener Zeit üblich. Für die Markenführung war ohnehin weniger die Mythologie als der Reim „Grund“ auf „rund“ entscheidend. Die Marke wurde stets in Versalien als JUNO geschrieben.

Quellen

  1. Juno (Zigarettenmarke) – Wikipedia (deutsch) – https://de.wikipedia.org/wiki/Juno_(Zigarettenmarke)
  2. Reemtsma Cigarettenfabriken – Wikipedia (deutsch) – https://de.wikipedia.org/wiki/Reemtsma_Cigarettenfabriken
  3. Josetti-Höfe – Wikipedia (deutsch) – https://de.wikipedia.org/wiki/Josetti-H%C3%B6fe
  4. Liste von Markennamen und Produkten in der DDR – Wikipedia (deutsch), Eintrag Juno – https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Markennamen_und_Produkten_in_der_DDR
  5. DPMA-Register Nr. 34169: Wort-Bild-Marke Josetti-Juno (angemeldet 9. Februar 1898) – https://register.dpma.de/DPMAregister/marke/register/34169/DE
  6. Merkur/dpa, 17.05.2016: Diese Zigarettenmarken verschwinden vom Markt – https://www.merkur.de/wirtschaft/kleinere-zigarettenmarken-verschwinden-markt-zr-6408757.html
  7. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.05.2016: Kleinere Zigarettenmarken verschwinden vom Markt – https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/kleinere-zigarettenmarken-verschwinden-vom-markt-14238434.html
  8. Der Spiegel 45/1990: Zigaretten – Spürt man kaum (Übernahme der Nortak Nordhausen durch Reemtsma) – https://www.spiegel.de/wirtschaft/spuert-man-kaum-a-5f43260e-0002-0001-0000-000013501002
  9. Thomas Noetzel: Zombie des Monats 08/2011 – Die „Juno“, Philipps-Universität Marburg (nur noch über das Internet Archive erreichbar) – http://www.uni-marburg.de/fb03/politikwissenschaft/pi-nip/publikationen/zombieneu/augustzombie
  10. Musenblätter: Aus gutem Grund ist Juno rund (Just Scheu, Bully Buhlan) – http://musenblaetter.de/artikel.php?aid=6217&neu=1
  11. Erich Börschel – Wikipedia (deutsch), Diskografie mit der Juno-Werbeplatte – https://de.wikipedia.org/wiki/Erich_B%C3%B6rschel
  12. museum-digital: Zweiteiliges Reklameschild „Juno – lobt jeder“ (Stiftung Domäne Dahlem) – https://global.museum-digital.org/object/71362
  13. museum-digital: Packung „Juno Zigaretten“ von Josetti (Stiftung Domäne Dahlem) – https://global.museum-digital.org/object/73076
  14. Zigsam.at: Juno – Sammlerdokumentation der Packungen von den 1930er Jahren bis 2008 – https://www.zigsam.at/B_Juno.htm
  15. Fotoarchiv Reemtsma: Expansion – Übernahmen von Manoli, Josetti, Jasmatzi u. a. – https://www.fotoarchiv-reemtsma.de/Themen/01_Expansion/index.html
  16. Richtlinie 2014/40/EU (Tabakerzeugnisrichtlinie: bildliche Warnhinweise, Mindestpackungsgröße) – https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32014L0040
  17. Wikimedia Commons: File:Juno cigarettes logo.png (PD-textlogo) – https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Juno_cigarettes_logo.png

Hinweis zur Quellenlage: 1) Einführungsjahr: Die deutschsprachige Wikipedia nennt 1896 (Markenanmeldung 1898, DPMA-Beleg), die Sammlerseite zigsam.at 1895, die Objektbeschreibung der Domäne Dahlem und die DDR-Markenliste sprechen von einer „seit 1909 eingetragenen Marke“. Übernommen wurde 1896 mit Anmeldung 1898. 2) Aufnahmedatum der Bully-Buhlan-Werbeplatte: 1951 laut Juno-Artikel und Musenblätter, ca. 1949/50 laut Börschel-Diskografie; im Text daher „um 1950/51“. 3) Ost-Juno: Produktion in den Josetti-Höfen bis 1960 (Artikel Josetti-Höfe) und beim VEB Tabak Nordhausen (DDR-Markenliste, zigsam.at, Spiegel 1990); der genaue Zeitpunkt der Verlagerung nach Nordhausen ist nicht belegt. Der Marburger Essay nennt die DDR-Überlängenzigarette „Juno 100“, zigsam.at und Wikipedia „Juno Filter Format 100“; übernommen wurde die Packungsbezeichnung. 4) Die Rücknahme der West-Juno „in den 1970er Jahren“ stammt aus Wikipedia ohne Datum; zigsam.at zeigt Packungen aus den späten 1970er Jahren, die Marktpause war also womöglich kürzer als dargestellt. 5) Der Reval-Artikel der Wikipedia behauptet ohne Beleg, Juno sei ab Mai 2015 schrittweise in die Marke Reval überführt worden; nicht übernommen. 6) Letzter Produktionsstandort bis 2016 nicht belegt (Berlin bis 2012 oder Langenhagen). 7) Teer- und Nikotinwerte sind Packungsaufdrucke laut zigsam.at, keine amtlichen Messwerte. 8) Die Marburger Seite ist nur noch über das Internet Archive abrufbar; FAZ-Artikel nicht direkt abrufbar, Inhalt über die dpa-Meldung im Merkur geprüft. 9) Namensherkunft: Der Bezug zur römischen Göttin ergibt sich aus dem Namen, ein Beleg für die Motivation der Namenswahl 1896 fehlt.